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Brauchen wir noch einen Verein für Alleinerziehende?

Die Mitgliederzahlen unseres Verbands für alleinerziehende Väter und Mütter könnten höher sein – vor Allem gemessen an den ständig steigenden Scheidungen und alleinlebenden Elternteilen. Dies drängt uns zu Fragen: haben Alleinerziehende nicht mehr und nicht weniger Probleme als zusammenlebende Eltern? Sind sie versorgt durch die Angebote von Kirche, Diakonie, Caritas und anderer Wohltätigkeitsvereine? Hat der Staat in den letzten Jahren genug dafür gesorgt, dass Alleinerziehende keine „Sonderbehandlung“ brauchen? Ist Erziehung durch einen Elternteil der Normalfall in unserer Gesellschaft? Und schließlich: Brauchen wir uns noch?

Unser Ergebnis: JA - unsere Gründe:

Die meisten Alleinerziehenden sind dies nicht freiwillig. Sie sind geschieden, getrennt oder verwitwet. Ihr Lebensentwurf war meist ein anderer. Das Leben eines Erwachsenen mit Kindern, für die er verantwortlich ist, bringt besondere Herausforderungen: wirtschaftlich, organisatorisch und psychologisch. Auf wirtschaftlichem Gebiet sind viele durch eigene Berufstätigkeit, Beratung, Unterhaltsvorschuss oder andere Maßnahmen versorgt. Trotzdem sind Alleinerziehende und ihre Kinder in höherem Maße als andere von Armut bedroht. Organisatorisch ist die Versorgung der Kinder -vor allem der Schulkinder, und in ländlichen Gebieten- immer noch ein Hürdenlauf. Es ist nicht damit getan, dass die Kinder Schule oder Hort besuchen. Sie wollen zu einem Geburtstag, trainieren im Verein, besuchen den Musikunterricht…..ich soll mit zur Schulfeier, zum Vorspielen, zum Elterngespräch..… Kinder haben unvorhergesehene Unregelmäßigkeiten; sie sind krank, müssen irgendwo abgeholt werden, bringen Freunde mit, verlieren ihre Schulsachen, vergessen die Hausaufgaben……..Es gibt nicht kaum flexible Arbeitsplätze, die mir die Wahrnehmung meiner elterlichen Aufgaben ermöglichen. Die meisten Mütter oder Väter können ihren Arbeitsplatz nicht leichtfertig für die Belange ihrer Kinder aufs Spiel setzen und kämpfen sich mit viel Organisationstalent und der Mitwirkung von Freunden oder Familie durch die Termine.

Die persönlichen Erschwernisse begleiten den Alltag vieler Alleinerziehenden- oft noch Jahre nach einer Trennung vom anderen Elternteil. Vorwürfe, Streitereien, Enttäuschungen, Verletzungen haben Spuren hinterlassen. Dazu kommt der Umgang der Kinder mit dem Vater oder der Mutter. Auch hier oft Streitigkeiten, gezwungene Kommunikation, Kontakte mit Gericht oder Jugendamt, Infragestellen meiner Erziehung, leere Wohnung, wenn das Kind zum Vater geht, das Kind wieder in die Reihe bringen, wenn es vom Vater kommt, und das am besten ohne erkennbare Aufregung. Die Gefühle, wenn das Kind begeistert von dem neuen Geschwisterchen aus der neuen Beziehung berichtet – cool bleiben – auch wenn er keinen Unterhalt zahlt……u.s.w. Die Freunde sind auch manchmal müde von meinem Gejammer und ich will die Freundschaft damit nicht belasten, aber die anderen Alleinerziehenden haben vielleicht Ähnliches erlebt und auf jeden Fall ein Ohr für mich.

Politisch, rechtlich und wirtschaftlich ist in den letzten Jahren viel passiert. Das heißt aber nicht, dass wir uns deswegen zur Ruhe setzen sollten. Wenn wir unsere Forderungen nicht selbst formulieren, tut es keiner.

Wir wollen keine Wohltätigkeit, wir wollen Solidarität, Austausch,  gegenseitige Stärkung – und nicht zuletzt: gemeinsame Freizeit.

Daneben können wir durchaus auch mit professioneller Hilfe dienen. Und dafür brauchen wir weiterhin unseren Verband.

Dr. Charlotte Michel-Biegel

VAMV

 

 

 

 

 


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