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VAMV

Sorgefähig? Die neuen Väter

 

Miriam war 21 Jahre und gerade mit ihrer Ausbildung fertig, als sie merkte, dass sie schwanger war. Mark, mit dem sie seit ca. 3 Monaten zusammen war, hatte gerade seine 2. Lehrstelle hingeworfen. Er war der Meinung, der Meister habe ihm nichts zu sagen. Das war in seiner ersten Stelle auch so gewesen. Die Trennung war leider nicht ganz friedlich verlaufen, weshalb eine Anzeige wegen Körperverletzung drohte. Auch nicht die Erste. Dass es nicht die große Liebe war, hatte Miriam schon lange gemerkt, und die Beziehung deshalb beendet. Und jetzt war sie schwanger! Bei ihrem Anruf reagierte Mark sehr ungehalten. Miriam sollte unbedingt abtreiben, das Geld würde er schon irgendwo auftreiben. Miriam ging darauf nicht ein. Sie konnte auf ihre Eltern zählen. Bis Benni geboren wurde und Mark Anspruch auf Vaterschaft und Sorgerecht anmeldete. Inzwischen ist er der Meinung, er habe ein Recht auf sein Kind.

Nach einem neuen Gesetzentwurf der Bundesregierung soll er Recht haben. Nicht-verheiratete Väter sollen automatisch das Sorgerecht –gemeinsam mit der Mutter- ausüben. Innerhalb von 6 Wochen nach der Geburt kann die Mutter beim Familiengericht dagegen Einspruch erheben. Das gemeinsame Sorgerecht setzt ein Mindestmaß an Kommunikationsfähigkeit und –willen voraus. Bei Miriam und Mark ist das nicht der Fall. Auch nicht über ihre Eltern.

Bei Evi und Carlo war das ganz anders. Auch sie wollten keine Familie gründen, als Marie kam. Auch sie leben nicht zusammen und haben das nicht vor. Aber Carlo ist erwachsen genug, die Verantwortung für Marie mit Evi zu teilen. Um besser für Marie da zu sein, nehmen sie regelmäßig an Beratungen teil.

Offensichtlich hat die Bundesjustizministerin Evi und Carlo gemeint, als sie das neue Gesetz kommentierte: „ ein verheirateter Vater ist nicht besser als ein Unverheirateter.“  Mark konnte sie nicht gemeint haben. Der ist inzwischen der Meinung, körperliche Arbeit ist nichts für ihn, weshalb er auf Provisionsbasis als „Finanzberater“ tätig ist. Unterhalt zahlen  kann er nicht, viel Zeit hat er auch nicht und seine neue Freundin ist von seinem Kind nicht begeistert. Jetzt soll Mark mitentscheiden, ob und welchen Kindergarten Benni besucht, ob er geimpft wird, ob die Mutter mit Benni umziehen darf, etc. Da Mark oft „abtaucht“, muss Miriam ihn dann zur Unterschriften-Leistung suchen.

Zugegeben: wir wollten es so. Wir wollten schon seit vielen Jahren die totale Gleichstellung von ehelich geborenen und nicht-ehelich geborenen Kindern. Für erstere stehen nun ´mal grundsätzlich 2 Elternteile in der Pflicht.

Die Lösung? : jeder einzelne Fall muss vom Familiengericht unter Beteiligung eines Verfahrensbeistandes geprüft werden. Was dient dem Wohle des Kindes? Wenn Eltern erwachsen genug sind, Verantwortung zu übernehmen: Beide.

 

Januar 2013

Dr. Charlotte Michel-Biegel

 

 

 

 


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